Freitag, 15. Februar 2019

Shakhtar Donezk - Eintracht

Die Auslosung brachte den meisten Frankfurtern mit Schachtar Donezk nicht das gewünschte Los, mir passte es aber gut. Auch wenn die Aussicht auf -20°C etwas befremdlich war, so schreckte die Reise in den Osten doch viele Neckermänner ab. Donezk ist die fünftgrößte Stadt der Ukraine und EM Spielort von 2012. Durch die Kriese und Kämpfe in der Ost Ukraine ist dort aber nicht mehr an Fußball zu denken. Zu Beginn der Unruhen zog man nach Lwiw (Lemberg) in den Westen des Landes, bis man vor zwei Jahren nach Charkiw weiter zog und somit näher an die eigentliche Heimat. Als Ende letzten Jahres das Kriegsrecht ausgerufen wurde, spielte Schachtar zeitweise in Kiew, womit ich eigentlich auch für unsere Partie rechnete. Allerdings sollten wir nicht in der Hauptstadt, sondern in der zweitgrößten Stadt der Ukraine kicken, wo sich Schachtar das EM Stadion mit Metalist Kharkiv teilt.


Vom DUS ging es aber erstmal in die Hauptstadt des größten europäischen Landes, das seit dem Zerfall der Sowjetunion 1991 unabhängig ist. Da ich mich wieder zu lange krank auf die Arbeit geschleppt hab, lag ich bis kurz vorher aber erstmal flach. Die Möglichkeit mit dem eigenen Verein nen Länderpunkt im Europacup zu machen lässt einen aber schneller fit werden. Am Flughafen hüpften einige Zecken auf dem Weg nach London rum und am Gate saßen fast nur Frankfurter. Der Check-In ging schon ne Dreiviertelstunde vor Abflug los und nachdem die paar Priority Mokel durch waren, tat sich erstmal gar nix mehr. Normalerweise springen ja alle direkt auf und stellen sich an bis zum nächsten Bahnhof, aber hier musste die Servicekraft erst zweimal durchgeben, dass das Boarding läuft. Fußballfans sind eben doch die besseren Menschen, ganz entspannt. Im Flieger saß ich neben der wohl einzigen ukrainischen Kampfmaschine an Bord und dann kam ein bestialisch nach Schweiß stinkender Typ, aber zumindest hatte ich keinen Mittelsitz.

 

Am Flughafen wartet ich auf die "Reisegruppe Helena", die ne knappe Stunde später eintraf als geplant, aber so hatte ich wenigstens Zeit Geld in Papier zu wechseln und mich mit den wirren Schriftzeichen anzufreunden. Mit nem gemieteten Bus ging es in die Stadt und im Laufhaus der Kollegen gab es noch zwei Pivo, bevor ich dem Pöbel den Rücken kehrte und ein Taxi mich in unser 5 Sterne Appartement brachte. Alex und besonders natürlich der Prahst hatten schon gut einen gezaubert. Bei Pivo, Wodka und zusätzlich Korn für den Spezialisten wurden Karten gekloppt und ich als gelernter Hütchenspieler besserte meine Urlaubskasse auf. Für nen Fuffi hatte jeder sein eigenes Zimmer und irgendwann war es für die alten Herren an der Zeit.


Als wir am nächsten Tag gegen 11 aus unserer Residenz gekegelt wurden, waren wir wieder gewöhnliche Assis. Zu Fuß ging es zum Maidan mit dem Unabhängigkeitsdenkmal und zur Sophienkathedrale, um wenigstens etwas von Kiew mitzunehmen. Der Reiseleiter hatte allerdings Hunger und machte Druck. So fanden wir uns kurze Zeit später vor einem Tablett mit allerlei veganen, gluten- und laktosefreien Leckereien wieder. Völlerei für umgerechnet 7€. Am Bahnhof wechselten noch ein paar Büchsen Bier den Besitzer und der Zug nach Charkiw wartete schon. Kunden der DB werden nicht glauben dass es das gibt, aber der Zug fuhr pünktlich los, kam pünktlich an, war komfortabel, die Toiletten funktionierten und wurden während der Fahrt sogar mehrfach gereinigt und das ganze Vergnügen kostete weniger als ein Monatslohn. Allerdings ist es natürlich auch etwas vermessen ein seriöses Bahnunternehmen mit einem dilettantischen Konstrukt wie den Stümpern der DB zu vergleichen. Weniger gut war, dass ich während der Fahrt mein gesamtes Spielgeld verzockte. Kurz vor der russischen Grenze hielt der Zug und wir kamen nach knapp fünf Stunden am Ziel an. Dort wurde direkt neues Papier besorgt, was dann wiederum sinnvoll in Pivo investiert wurde. Ne Taxe mit nem Mafiosi am Steuer brachte uns zur Unterkunft in Stadionnähe. Nachdem genug Zeit verasselt wurde und sich jeder von Roberto Blanco verabschiedet hatte, war es Zeit zum Stadion aufzubrechen.

 



Gestern Abend und den heutigen Tag über vermeldeten die verschiedensten Kanäle einige Angriffe auf Frankfurter aus Kiew und Charkiw, teils mit Krankenhausaufenthalten. Ebenso gab es abgemachte Matches der sportlichen Fraktionen. Vor den Kriegserfahrenen Höhlentrollen, die 36 Stunden täglich mit Kampfsport verbringen hatte ich auch durchaus Respekt. Nun fahren wir aber nicht erst seit gestern zum Fußball und ziehen bunt verkleidet und grölend durch die Gassen. Mit Benehmen und etwas Respekt ist bisher immer alles gut gegangen und auch heute kamen wir easy am Stadion an.


14.02.19 22:00 FC Shakhtar Donezk - Eintracht Frankfurt 2:2, Oblasnyj Sportywnyj Komplex Metalist / Kharkiv, Europa League, 13.059 Zuschauer

Elf ukrainische Meisterschaften und zwölf Pokalsiege stehen auf dem Briefkopf und 2009 gewannen die Bergarbeiter sogar den Europacup. Damit sind die Orange-Schwarzen nach Dynamo Kiew der zweit erfolgreichste Verein der Ukraine. In der jüngeren Vergangenheit ist man dank des Präsidenten Rinat Achmetow aber die Nummer 1, was unter Umständen weniger an seinem Fußball Fachwissen, sondern eher an der Tatsache liegen könnte, dass er als Oligarch der reichste Mann des Landes ist. Mit nem Fahnen Intro wurden die Magier begrüßt und sie legten auch gleich ordentlich los. Winterzugang Hinteregger köpfte uns schon in der siebten Minute in Führung. Es wird wohl ein Geheimnis bleiben wie man diesen Kullerball als Schnapper nicht halten kann, aber Tor ist Tor. Der Jubel war noch nicht auf dem Höhepunkt, da zeigte der Schiedsrichter auf der anderen Seite auf den Punkt und es stand 1:1. Sicher stellt sich N'Dicka da etwas blöd an, aber in einer Zeit als Fußball noch ein Männersport war, hätte niemand auch nur daran gedacht sowas zu pfeifen. Im Gegenzug profitierten wir allerdings von diesem pussyhaften Spiel und nach Gelb-Rot musste Donezk in Unterzahl weiter machen. Da waren noch satte 80 Minuten zu spielen. Obwohl wir überlegen waren und mit 3:1 in die Kabine gehen können, fehlte es an Ideen und der nötigen Entschlossenheit und es passierte nichts mehr. Ein Hotdog mit geilem scharfen Senf für nen schmalen Euro verkürzte die Pause. Kostic ließ uns im zweiten Durchgang noch schneller jubeln als im Ersten und endlich war die verdiente Führung da. Die Stimmung war dem Rahmen bisher nicht angemessen, aber jetzt ging es rund und es schien nur eine Frage der Zeit zu sein, bis die Jungs den nächsten Treffer nachlegen. Dawai Dawai, Uh! Nach knapp 20 Minuten Ekstase spielten die Brasilianer einen wirklich schönen Angriff und ließen unsere Verteidigung alt aussehen. Das 2:2 passte überhaupt nicht ins Bild und mit diesem Schock riss der Support plötzlich ab. Es dauerte auch etwas bis es auf dem Feld wieder vorwärts ging, aber die Möglichkeiten zum Siegtreffer waren da. Es fehlte heute allerdings an vielem und am Ende steht der Punkt, der sich nach diesem Spiel mit 12:1 Ecken und 21:5 Torschüssen einfach nicht wie ein Erfolg anfühlt. Eine Ausrede für den extrem schlechten Support nach dem 2:2 kann aber nicht auf dem Platz gesucht werden. Eintracht Frankfurt International geht anders. Ein Unentschieden mit zwei Auswärtstoren ist an und für sich keine schlechte Ausgangslage, aber da war schon mal was... Während der Blocksperre fingen die Füße doch langsam an zu Eisklötzen zu werden, auch wenn es nur -7 Grad waren. Eine solche Blocksperre führt dazu, dass sich mögliche Angreifer formieren können und die Bullen ihnen die Selektion von Freund und Feind abnehmen. Es war Filmreif, wie um Ein Uhr alle Straßenlaternen aus gingen und der Weg für die Sektion "Sport frei" geebnet war. Hinter jedem Häuser Block und aus jedem Hinterhof sah man vorm geistigen Auge den Mob, aber wir kamen ungestört zur Unterkunft und ich hab auch nichts von Angriffen mitbekommen. Der Osteuropäer ist eben ein Jäger und keine Aasfresser.




Nach ner sehr kurzen Nacht brachte Uber uns für 75 ukrainische Geldeinheiten, also rund 2,50€ die zehn Kilometer zum Flughafen. In Kiew trennten sich unsere Wege und als Erster war ich schon am frühern Nachmittag wieder zu Hause.

Für das Rückspiel gibt es nur eine Devise. Dawai Dawai, UH!

Samstag, 2. Februar 2019

Eintracht - Dortmund

02.02.19 15:30 Eintracht Frankfurt - Borussia Dortmund 1:1, Waldstadion 1. Bundesliga, 51.500 Zuschauer

Gestern hab ich in gemütlicher Runde ein paar Getränke auf Getreide Basis zu mir genommen und das war auch ganz nett. Dieser Jack Daniel sollte seine Produkte aber mal genaueren Kontrollen unterziehen, mindestens eine Flasche von seinem Zeug muss nämlich schlecht gewesen sein. In jedem Fall war ich heute morgen krank und auch wenn es mir nachmittags etwas besser ging, verzichtete ich zum erstem Mal seit ich denken kann komplett auf Bier und Äppler beim Fußball im heimischen Waldstadion. Europas beste Mannschaft ist selbstverständlich für tollen Fußball bekannt, aber wie man hört wissen auch einige Spieler beim Underdog aus Dortmund, dass der Ball rund ist. Außerdem gibt es ja sowieso keine Kleinen mehr in der Bundesliga und alle Mannschaften sind so nah zusammen wie nie heißt es. Was vielleicht auch daran liegt, dass Gurkentruppen wie die Freunde der heutigen Gäste aus der Stadt mit der Armlänge Abstand in diesem Jahr nicht mitspielen. Unsere Jungs legten gut los und zeigten, dass auch gegen den Tabellenführer was zu holen ist. Wir verpassten es aber den frühen Führungstreffer zu erzielen und als Dortmund ein paar schnelle, saubere Angriffe spielte war unsere Hintermannschaft gerade im Schwimmunterricht. Mit etwas Glück überstanden wir diese Phase mit nur einem Gegentreffer und kamen in einem sehr intensiven Spiel wieder in die Bahn. Nachdem Ante Rebic knapp scheiterte machte Luca Jovic mal wieder im Stil eines Kung-Fu Fighters den Ausgleich und es ging beruhigt in die Pause. Der zweite Durchgang war ruhiger und die Gäste hatten etwas mehr vom Spiel, aber ein kleiner Spanier ist eben keine Büffelherde und die Bienchen konnten nicht mehr stechen. So steht am Ende ein gerechtes Unentschieden.


Samstag, 19. Januar 2019

Gibraltar und Malaga

Einen schlappen 5er wollte Rainer für die Flüge von und nach Malaga und nicht etwa von irgendeinem Provinz Flughafen, sondern vom DUS - da kann man nicht Nein sagen. Gibraltar war das Hauptziel und da die Spiele dort einige Mondphasen im Voraus terminiert werden, herrschte Planungssicherheit. Die Spananier haben es nicht so eilig, sind aber freundliche Menschen und legten uns das Heimspiel von Malaga passend für einen Doppler - gracias. Bevor es los gehen konnte, ging aber zuerst mal der Puls nach oben. Verpennt! Ein Frühaufsteher werde ich in diesem Leben nicht mehr, aber zum Glück weckte mich die innere Uhr pünktlich zur Arbeit. Dummerweise ist das erst um 6, was bei Abflug um 7:30 ne verdammt enge Kiste bedeutete. Duschen wird aber genauso überbewertet wie Geschwindigkeitsbegrenzungen und leider auch pünktliche Bahnen. Am Security Check war allerdings nix los und das Gate lag direkt hinter der Kontrolle. Ich hätte also auch entspannt ausschlafen können. Igel und Zum Sel warteten aber schon. Mit verpennen war ich in guter Gesellschaft, dem Hammer mit dem selben Flugziel ging es nämlich genauso. Da wir in unserer Reisegruppe alle Untappd Opfer sind, wurde zuerst ein Supermarkt angesteuert um Kofferraum und Rückbank mit Brauerei Erzeugnissen zu füllen. Danach ging es mautfrei in Richtung Gibraltar.


In La Línea de la Concepción (geiler Städtename) wurde der Opel geparkt und es ging zu Fuß über die Grenze. Gibraltar ist ein britisches Überseegebiet auf der Iberischen Halbinsel. Bekannt durch die Straße von Gibraltar, an der Europa dem Afrikanischen Kontinent am nächsten ist. Um in die Stadt zu gelangen, muss man die Start- und Landebahn des Flughafens überqueren. Schon geil wenn man an der Ampel wartet und auf einmal ein Flugzeug vorbei fährt. Da Marc etwas von Bieren aus Gibraltar faselte, die wohl nur in seinen Gedanken existieren, zogen wir auf der Suche danach durch alle Pubs und Läden der Stadt. Aus meinem Plan den berühmten „Affenfelsen" mit einzubauen wurde somit nix, aber Affen gab es auch im Stadion.


19.01.19 16:00 Gibraltar Phoenix FC - Glacis United FC 6:0, Victoria Stadium, First Division, 54 Zuschauer

Neben einer eigenen Liga und nem Pokalwettbewerb hat Gibraltar auch eine Nationalmannschaft und seit 2013 ist der Fußballverband offizielles Mitglied der UEFA. Somit kommt hier eine Besonderheit des Hoppens zur Anwendung und wir machten einen Länderpunkt in einem Land, das gar keins ist. Bei der Quali zur EM 2016 traf der Weltranglisten 194. von 211 auch auf das Modeprodukt des beschissenen DFB. Der Großteil der heutigen Zuschauer waren Deutsche, was hier nicht unüblich ist. Ich kannte keinen von ihnen und teilweise waren es auch Affen, die man gar nicht kennen will. Beim Einschätzen der Spielqualität tu ich mich schwer. Einerseits waren die Leistungen der beiden Mannschaften sehr unterschiedlich, wie es das Ergebnis vermuten lässt und andererseits war von überraschend starken bis zu erschreckend schwachen Spielszenen alles dabei. Ich verrate aber kein Geheimnis, wenn ich sage dass das Spiel verdammt langweilig war und es wohl allen Germanen nur um das Pünktchen für die Statistik ging. Dem mageren Tor im ersten Durchgang folgten zumindest ein paar mehr im Zweiten, die für etwas Unterhaltung sorgten.





Zurück ging es über die Mautstrecke, um dem kränkelnden Spanien etwas unter die Arme zu greifen und vielleicht auch um ein paar Minuten zu sparen. Vielleicht kann man es nicht kränkeln nennen, aber ein Schwächeln war nun auch beim Junior klar erkennbar. Dortmund kümmerte sich in Malaga schon mal um Tickets, während Frankfurt Düsseldorf zum einchecken ins Apartment fuhr. Da es nun zu Fuß zurück zum Estadio ging, konnte auch der Fahrer endlich ein paar Kannen aufreißen. Ahu!


19.01.19 20:30 Malaga Club de Futbol - Club Deportivo Lugo 2:1, Estadio La Rosaleda, Segunda Division, 12.758 Zuschauer

Die Sparfuchs Tour setzte sich fort, denn für nen fairen Zehner konnten wir die Schüssel betreten. 1941 wurde im Estadio La Rosaleda erstmals gegen den Ball getreten, 1982 war es Spielort der WM und seit der letzten Renovierung fasst der Rosengarten 30.000 Zuschauer. Zu Spielbeginn war ich baff, denn es gab richtig guten Support. Also für spanische Verhältnisse gut und das ist alles, was mehr als nix ist. Fußballkultur gibt es im spanischen Profifußball aber nicht, anstatt Bier zu trinken frisst man hier lieber seine sinnlosen Vogelkörner und der Support ließ dann auch nach. Malaga pendelt immer mal wieder zwischen La Liga und der Segunda hin und her. Auf dem Briefkopf steht der UI-Cup Sieg von 2002 und 2013 war in der Champions League erst im Viertelfinale gegen Dortmund Schluss. Die Galicier waren auch immer eine Fahrstuhlmannschaft, allerdings ging es bei ihnen nur zwischen der Segunda B und der Tercera hin und her. Seit 2012 hält man sich aber in der zweiten Liga. Das heutige Spiel war okay, aber kein Knaller und als Fan von Europas bester Mannschaft liegt die Messlatte für guten Fußball sowieso extrem hoch. Der Abstiegskandidat konnte früh in Führung gehen, aber mit den Treffern kurz nach der Pause und gegen Ende der Partie zeigten die Hausherren, dass sie nicht umsonst an der Tür nach Oben klopfen.






Außerhalb des Zentrums ging am späten Abend nicht mehr viel, aber in nem Burgerladen bekamen wir kurz vorm Verzweifeln doch noch was zu Futtern und gutes Bier. Zumindest für zwei von uns, denn der Igel bereitete sich lieber auf den Winterschlaf vor. Allein saufen macht zwar hässlich, aber ich hatte Nachholbedarf und da im Apartment auch der alte Hase schnell die Segel strich, musste ich mir eben ohne Gesellschaft noch ein paar Büchsen in den Kopp schütten. Das Mittelmeer und die Costa del Sol kann man im Januar bei 16°C schon mal mitnehmen, aber leider hatten wir dafür keine Zeit. Am frühen Morgen wollte Rainer nämlich schon wieder zurück nach Alemania.


Samstag, 12. Januar 2019

West Ham - Arsenal / Millwall - Rovers

Ursprünglich war dieser Ausflug als reine Sufftour mit nem Revisit bei Hemel Hempstead geplant. Allerdings war auch ein Doppler in London machbar und die legendäre Bustour mit den top lads aus dem letzten Jahr wird sowieso unerreicht bleiben. Schande über mich. Nach dem Lommel-Trip bin ich heute Nacht zwar nur leicht angetüdelt ins Bett gefallen, aber nach knapp zwei Stunden Schlaf mit nem Schädel aufgewacht, als hätte ich den Suff meines Lebens hinter mir. Ich war nicht nur kaputt, sondern richtig fies am Arsch. Schidlowski, Geier und Fischer waren zwar angepisst, dass ich mich gegen Hemel entschieden hatte, schleppten mich aber auf ihren Tickets mit nach Holzwickede durch. Ich finde übrigens, dass es gegen die Würde des Menschen verstößt, dass man am Wuppertaler Hauptbahnhof früh morgens nicht kacken kann. Scheiß Wuppertal! Den Fußweg zum Dortmunder Airport überstand ich auch und mehr schlecht als recht kippte ich mein Mixery ab - harte Nummer. Der Flug wurde verpennt, weder Start noch Landung hab ich mitbekommen. Besser ging es mit aber nicht. Nach ewiger Warterei bei der Passkontrolle war der geplante Bus weg, aber auch die enge Kiste klappte.

12.01.19 12:30 West Ham United FC - Arsenal FC 1:0, London Stadium, Premier League, 59.946 Zuschauer

Mit ner Punktlandung war ich beim „I'm forever blowing bubbles" auf meinem Platz und das war schon gut. Laut sein können sie ja diese Tommys, zumindest wenn sie wollen. Außer beim „come on you Irons" und dem „we love you Arsenal, we do" war es aber abgesehen von Szenenapplaus und dem ständigen Raunen weitestgehend ruhig. Nur bei den „blowing bubbles" in der 75. wurde es mal richtig laut. Zumindest standen die Zuschauer im Gästeblock und im Unterrang der Heimkurve, sowie in den unteren Eck-Blöcken, was in England ja auch nicht selbstverständlich ist. Seit 2016 ist der Boleyn Ground (Upton Park) Geschichte und die Irons sind ins Olympiastadion der Spiele von 2012 gezogen. Gegründet wurde der Club als "Thames Ironworks FC", benannt nach einer Werft in West Ham, woher der Spitzname "the Irons" kommt. 1965 gewann West Ham den Europapokal der Pokalsieger und 1976 standen sie nach einem Halbfinal-Sieg gegen die Eintracht im Finale. Mit Marko Arnautovic stand heute ein bekannter aus der Bundesliga für die Hammers auf dem Feld. Bei Arsenal waren es mit Leno, Mustafi, Xhaka, Aubameyang und Sokratis ein paar mehr. Mesut Özil spielt aktuell keine Rolle mehr. Das Spiel war ziemlich ausgeglichenen. Die Gunners hatten den besseren Start und insgesamt auch mehr vom Spiel. Die Hammers kamen aber immer besser in die Partie und hatten in der Summe die besseren Torchancen, weshalb der Sieg in Ordnung geht. Der Kick war nicht schlecht, aber es fehlte einfach an Highlights, weshalb das Spiel doch langweilig wirkte. Die 70 Pfund Eintritt haben sich hierfür definitiv nicht gelohnt, aber es muss ja alles gemacht werden.





In der Halbzeitpause gönnte ich mir nen Burger und ne Cola und würde mich von dort an wieder als lebendig bezeichnen. Durch die Menschenmassen ging es nervig langsam zur Tube und mit dieser zur Tower Bridge, die ich einfach mag und deshalb nach Möglichkeit mit einplane. Zu Fuß ging es dann über die Druid Street in Bermondsey und die dortigen Railway Arches zu Millwall. In den Bögen unter den Schienen sind die verschiedensten Läden integriert, unter anderem auch einige junge Brauereien. Diese Hippster können mir mit ihrem Craft Beer Gedöns in der Regel gestohlen bleiben, aber die Locations sind schon cool und ich hatte mittlerweile wieder Brand wie ne russische Bergziege, also rinn da. "The London Beer Factory" durfte sich nun meiner Anwesenheit erfreuen und drei der vier Säfte schmeckten auch überraschend gut. Die bunte Palette meiner Wahl bestand aus dem eher klassischen "London Bohemia Lager", dem typisch britischen "Sayers Stout", einem sehr schokoladigen "Raison D'etre" und einem fragwürdigen "Berliner Heist". Danach drängte die Zeit und ich musste mich sputen.




12.01.19 17:30 Millwall FC - Blackburn Rovers FC 0:2, The Den, Championship, 13.862 Zuschauer

Nach West Ham nun Millwall. Den Machern von "Green Street" mit dem Hobbit Frodo Beutlin als Hooligan wird das gefallen. Es waren einige Kassenhäuschen geöffnet und die Schlangen hielten sich sehr in Grenzen. Dummerweise hatte ich mir meine Eintrittsberechtigung aber schon online gebucht und die Schlange an der einzigen Kasse für diese Tickets ging bis zum Mond und das mit Umwegen. Mit der Geschwindigkeit, in der das voran ging wäre ich vermutlich erst irgendwann zur zweiten Halbzeit im Stadion gewesen, in jedem Fall aber weit nach Anpfiff. 25 Pfund sind aber ein Klacks in meiner Gewichtsklasse, also GskR Modus an und innerhalb von zwei Minuten ein neues Ticket geordert. Im Ground dann mit Graf Hass getroffen und so zum Glück jemanden gehabt, mit dem ich diesen mega spannenden Kick verquatschen konnte. Ein 0:0 wäre nicht nur das gerechte Ergebnis gewesen, sondern es konnte auch einfach nicht anders ausgehen, das war technisch gar nicht möglich. Aus unerklärlichen Gründen konnten die Gäste in den letzten zwei Minuten aber doch noch irgendwie zwei Bälle über die Linie stolpern. Aus dem rund 400km entfernten Blackburn war eine ordentliche Anzahl an Zuschauern mitgereist. Support mäßig kam so gut wie nichts, aber sie standen zumindest komplett. The Lions haben einen gewissen Ruf, der seit den 80ern an ihnen haftet. Viel mehr als der Mythos ist davon aber nicht mehr übrig. Sie pöbeln gern, sie pöbeln ständig und sie pöbeln gegen alles, das hat natürlich was, keine Frage. Man sitzt aber ansonsten fast komplett und geschlossen auf seinem Hintern und abgesehen vom "no one likes us, we don’t care - We are Millwall" hört man hier nur die "fucking cunt" und "wanker" Rufe. Egal, es gab Steak Pie, Cider und Bier. Das Bier hab ich aber vergessen bei "Untappd" einzuchecken und wer mir verraten kann was die da ausschenken, der bekommt nen Säft ausgegeben.





Nachdem der Spuk endlich vorbei war, latschten wir in nen Wetherspoon Pub und genehmigten uns ein paar Cider, bevor es gemeinsam nach Eusten ging. Von dort brachte mich die Bahn nach Hemel Hempstead Town, denn ein paar Kaltschalen wollte ich mit den Nasen schon noch nehmen. Fischer war nüchtern genug um mir den Standort mitzuteilen und verdiente sich so ein Getränk. Nachdem ich die zwei Kilometer zum Pub abgelaufen bin, war Schidlowski auch wieder aktiv. Erschreckend war, dass Geier sich nicht komplett abgeschossen hatte, das ist man ja mal gar nicht gewohnt. Ich will keinen Namen nennen, aber der Kollege mit dem Partner Tattoo von MS hatte es sich in ner Ecke auf dem Boden gemütlich gemacht. Die Kollegen von Jonas waren da besser drauf. Es lief sehr gut und die Apfelsäfte schmeckten einfach so gut, dass ich irgendwann auch kurz mit nem Vitaminschock wegnickte. Als der Laden zu machte gab es noch nen teuren und schlechten Döner und wir wurden zum Bus gebracht. Leider gab es hier nirgends mehr Flüssignahrung. Thank you guys! Die Busfahrt wurde komplett verpennt und das taten die meisten von uns auch am Flughafen. Abgesehen von Schidlowski und mir, denn ein Pub mit leckerem Cider schrie ganz laut und unüberhörbar unsere Namen. Jonas und Geier kamen nach dem zweiten, dritten oder vierten Glas auch noch dazu. Beim Letzten fing ich aber an zu schwächeln und mit dem last call stiegen wir zu Rainer in den Flieger. Goodbye Lady Di. Ich saß kaum auf meinem Platz, da wachte ich auch schon wieder durch ne ruppige Landung in Dortmund auf. Passkontrolle, kacken, laufen, de Zoch kütt, 2€ Qualitäts-Döner in Hagen, zu Hause, pennen, pennen, pennen. kurz aufwachen, pennen, pennen, pennen, arbeiten. Ich bin zu alt für diesen Mist, aber es war doch wieder geil!