Samstag, 27. Juli 2024

Beerschot - Leuven

27.07.24 18:15 Beerschot VA - Oud-Heverlee Leuven 0:0, Olympisch Stadion Antwerp, Division 1A, 4.500 Zuschauer

Freunde der Nacht, ladies and gentlemen. Ich präsentiere Ihnen, ein Fußballspiel. Nach 40 Tagen ohne calcio und bewusstem Testspiel fasten hatte ich einfach mal wieder Lust und Sehnsucht. In Belgien stand passenderweise der erste Spieltag der höchsten Spielklasse an. Auf da. Antwerpen besitzt den zweitgrößten Hafen Europas und ist soweit ich weiß vor Brüssel die größte Stadt des Landes. Da die Belgier ihre Städte aber gerne in Provinzen, Regionen und Ballungsräumen oder auch Kellern angeben, muss das aber nicht stimmen, denn als Region ist die Hauptstadt größer. Antwerpen hat auf jeden Fall einen sehr gut erhaltenen und sehenswerten historischen Stadtkern, der einen Besuch definitiv lohnt. Dort gibt es auch sehr viele Kneipen und neue Check-ins, aber dafür war mir nach der Zauberei gestern noch nicht. Städtepartnerschaften bestehen mit schönen und bedeutenden Städten wie Barcelona, Sankt-Petersburg, Shanghai, Kapstadt und Ludwigshafen… Das Stadion war Austragungsort der olympischen Spiele von 1920, ist heute aber ein reines Fußballstadion. Der 1922 als FC Wilrijk gegründete Verein hat vor der Fusion zu Olympia Wilrijk ebenso wenig gerissen, wie nachher. 2013 übernahm man den aufgelösten Club Beerschot AC mit dem wunderschönen Gründungsjahr 1899 und der Stammnummer 13, der vorm zweiten Weltkrieg sieben Mal Meister und danach dreimal Pokalsieger wurde. Letzte Saison sind sie als Tabellenführer der zweiten Liga aufgestiegen. Die Gäste aus Löwen wurden letztes Jahr Zwölfter von 16 Mannschaften. Ich würde ja gerne noch irgendwas kluges oder interessantes zu ihnen schreiben, weiß aber nix. Wie mittlerweile leider üblich, gab es auch für diesen unbedeutenden Kick keine Tickets an der Tageskasse. Dieser unnütze Scheiß nervt mich ja schon etwas, aber im Gegensatz zu den Nachbarn bekommt man das Ticket online auch ohne ne scheiß Mitgliedschaft bei irgendeinem sinnlosen Käse Verein. Das Stadion gefällt mir schon ganz gut und auch wenn die Flutlichtmasten keine aus der Kategorie "Augenweide" sind, ist es schön dass es sie noch gibt. Es gab etwas Support auf beiden Seiten, größtenteils im englischen Stil, wenn nicht gerade "an der Nordseeküste" gesungen wurde. Die Heim Fans auf dem Joske Vanhout Stand hatten dabei die Oberhand und waren wie man so schön sagt, nah am Spiel. Die Leute gingen echt gut mit und das ist ihnen hoch anzurechnen, denn eigentlich gab es gar nix zum Mitgehen. Die müssen sehr schmerzfrei sein. Eigentlich war hier sehr schnell klar, dass es in diesem Spiel nur ein mögliches Ergebnis geben kann. Ich hab ja bei einem Aufsteiger und einem fast Absteiger nicht das Spiel meines Lebens erwartet, aber das tat teilweise echt weh. Wie kläglich hier Pässe in aussichtsreichen Positionen verhauen wurden, individuelle Fehler am Fließband passierten und Ecken wie bei der Eintracht getreten wurden. Grauenhaft. Torschüsse? Ach hör mir uff. Mehr als dieses 0:0 hat das Spiel einfach nicht verdient. Meine Alternative wäre Dender gegen USG gewesen, aber ein Tor ist auch bei diesem Knaller nicht gefallen. So wirklich Bierdurst hatte ich immer noch nicht, da es gestern augenscheinlich genug waren und da man so ne dämliche Bezahlkarte gebraucht hätte, gab es halt auch keins. Essen muss man aber und da ich dem Astronauten bei diesem Thema mehr vertraue, als irgendwelchen Google Bewertungen, ging es dafür in die Frituur de Tunnel nach Turnhout, mit dem einzigen Bier des Tages.






Sonntag, 16. Juni 2024

Eintracht Eisenberg - SC Weimar

16.06.24 15:00 SV Eintracht Eisenberg - SC 1903 Weimar 0:1 (0:0), Sportpark Schortental, Landesklasse Thüringen 1, 405 Zuschauer

Irgendwie sind wir vom Brauhaus in Dessau aufgrund der kostenneutralen Übernachtung in Berlin gelandet und hatten somit eine längere Anfahrt als geplant. Aber wohin geht die Reise eigentlich? Weimar zu Hause mit Empor im schönen Wimaria Stadion oder Weimar auswärts mit dem Sportclub auf dem langweiligen Sportplatz in Eisenberg standen zur Auswahl. Das Stadion wird hoffentlich auch in Zukunft noch stehen, aber in Eisenberg wird es demnächst wohl nicht mehr so voll und interessant werden. Der Platz liegt ziemlich abgelegen im Wald und Anfahrt sowie Parken geschahen im Offroad Modus. Als Turbine Weimar spielten die Gäste ein Jahr in der DDR Oberliga. Auf stolze 30 Jahre kommt Motor Weimar in der DDR Liga und liegt dort unter den Top 10 in der ewigen Tabelle. Seit 1991 spielt man wie ein Jahr nach der Gründung als SC Weimar. Die Vorzeichen waren fast exakt wie gestern in Schleiz. Da Tabellenführer Schmölln auf den Aufstieg verzichtet, brauchte Weimar einen Punkt, um im Fernduell sicher die Nase vorn zu behalten. Der Weg zu Apoldaer Bier, Roster und Rauch-Griller führte durch eine Horde junger Ultras aus Jena. Ebenfalls wie gestern wurde eine Vereinslegende verabschiedet. Neben Bannern wurde Mike Weber auch durch besingen gehuldigt. Die Gäste wurden durch die Kulturstadtmafia durchgängig mit Fahnen und Gesängen supportet. Pyrotechnik durfte auch auf beiden Seiten nicht fehlen. Gutes Ding, richtige Entscheidung. Das Spiel war kurzweilig, mit Chancen auf beiden Seiten. Einen Treffer gab es im ersten Durchgang aber trotzdem nicht. Das Tor des Tages fiel kurz nach der Pause und die Freude und Erleichterung war den Gästen anzumerken. Die Eintracht wollte den Weimarern den Aufstieg aber nicht schenken und war dem Ausgleich besonders mit einem Aluminium Treffer sehr nah. Schluss. Auswärtssieg. Aufstieg. Glückwunsch zum Erreichen der Thüringenliga, wo ein paar neue Ziele und mit Wacker Nordhausen zumindest ein Fan mäßig interessanter Gegner warten. Es wird Zeit, mal am Lindenberg vorbei zu schauen.





Samstag, 15. Juni 2024

Germania Roßlau - TSV Mosigkau

15.06.24 18:00 TSV Mosigkau - SV Germania Roßlau 0:5 (0:2), Paul-Greifzu-Stadion Dessau, Finale Kreispokal Anhalt, 369 Zuschauer

Doppler ja oder nein? Nach den Sternquell in Schleiz lag das nicht mehr in meiner Macht. Katja die alte Stadiontouristin hatte aber Bock, also auf da. Freie Fahrt für freie Bürger und so konnte man dem Navi ordentlich Zeit abluchsen und war nahezu pünktlich am Stadion des Finalspiels im Kreis Anhalt. 20 Minuten Fußball gucken, 10 Minuten Stadion gucken und ob ich dann 60 oder 50 Minuten des Spiels verquatsche spielt doch ganz ehrlich keine Rolle. Das brauchbare Stadion wird scheinbar aktiv für Leichtathletik, aber nur äußerst selten mal für Fußball genutzt. Natürlich lockte diese Partie deshalb auch einige Hopper an. Neben den Alkoholikern Inge, Hans und Silke war auch Pascal vor Ort, was sehr erfreulich war. Im Gegensatz zur Sektion Düsseldorf war Sektion Bremen nämlich gewohnt nüchtern und für intellektuelle Gespräche zu gebrauchen. Mit seiner seriös zuverlässigen Art hätte er auch nie das Ur Krostitzer verschüttet. Der Täter wird garantiert noch ermittelt. Zieh dich warm an. In einem Pokalendspiel geht es ja um was und theoretisch ist in einem einzigen Spiel alles möglich, aber der Kreisoberligist hatte gegen den Spitzenreiter der Landesklasse keine Chance. Es wirkte fast ein bisschen wie ein Testspiel eines semi professionellen Clubs bei einem benachbarten Dorfverein. Gratulation an die Germania und ihre mitgereisten "Fans", für eine erfolgreiche Saison mit Aufstieg und Pokalsieg. Der Igel brachte ein Brauhaus für nach dem Spiel ins Gespräch und da meine Begleiterin Hunger hatte und Untappd süchtig ist, hatte ich keine Möglichkeit abzulehnen. Wir waren 2009 im Zuge eines wunderschönen Fußball und Fahrrad Urlaubs an der Elbe schon mal in Dessau und hatten die Stadt exakt so in Erinnerung wie sie ist. Schrecklich. Die einzige Neuerung war, dass Dessau nicht mehr ganz so ausgestorben wirkte wie damals und augenscheinlich ordentlich mit Neubürgern aufgefüllt wurde. 





FSV Schleiz - Wismut Gera

15.06.24 15:00 FSV Schleiz - BSG Wismut Gera 2:3 (0:1), Sportanlage Am Fasanengarten, Thüringenliga, 519 Zuschauer

Im Osten geht nicht nur die Sonne auf, sondern dort endet auch traditionell die Fußballsaison in Deutschland. Theoretisch war zur besten tschechischen Fußballzeit um 10:15 ein Spiel von Olympie Brezova geplant, aber die frühen Vögel schmecken mir ebenso wenig, wie die frühen Würmer. Ausschlafen und entspannt los in die Kreisstadt des Saale-Orla-Kreises nach Schleiz. Für den heimischen FSV ging es nur um eine Platzierung zwischen Platz vier und acht, für die Gäste jedoch um nichts geringeres als den Aufstieg. Die BSG Wismut Gera spielte ein paar Jahre in der Oberliga, hauptsächlich aber in der DDR-Liga, wo sie die ewige Tabelle anführen. Außerdem waren sie Teilnehmer des ersten FDGB-Pokalendspiels. Wie vor allem im Osten üblich, ist der Verein nach Fusionen, Namensänderungen, Insolvenz und Neugründung ein Nachfolgeverein der traditionsreichen BSG. Für faire 5€ Eintritt bekam man noch einen Gutschein für Wurst oder Bier. Effektiv lag er also bei 2€. Ehrensache, dass ich das Steuer abgab und das Sternquell aus dem Vogtland ausreichend konsumiert habe, um den Verein zu unterstützen. Roster und Jagdwurst (gegrillte Fleischwurst) gab es ebenfalls für drei Taler. Gute Organisation und nette Leute. Danke FSV. Nur der Lärm der Rennstrecke „Schleizer Dreieck“ war nervig und laut, aber dafür kann der Verein ja nichts. Vorm Spiel wurde Kapitän und Vereinslegende Mirko Horn an seinem Fasanengarten verabschiedet und dann konnte es losgehen. Unterstützt von Anhängern mit Bannern und Fahnen auf beiden Seiten, wobei sich die Heimfans doch weitestgehend auf Anwesenheit beschränkten. Der Tabellenführer des FC An der Fahner Höhe verzichtet auf das Aufstiegsrecht und solange Wacker Nordhausen im Parallelspiel nicht zweistellig siegen sollte, würde Wismut ein Punkt zum Aufstieg reichen. Der unbedingte Siegeswille schien auch nicht da zu sein und die Schleizer waren die bessere Mannschaft. Durch einen Strafstoß, den ich nicht unbedingt gegeben hätte, gingen die Gäste allerdings mit 1:0 in Führung und in die Halbzeit. Im zweiten Durchgang schraubte Gera das Ergebnis auf 3:0 hoch, bevor die Schleizer es in der Schlussphase nochmal spannend machten und kurz vorm Ausgleich standen. Am Ende einer gute zweiten Hälfte steht der Aufstieg in die Oberliga, quasi die in Gera bekannte neue DDR-Liga. Gratulation dazu. Nachdem wir kurz den jubelnden Gästen zuschauten, ging es zeitig weiter, so dass wir die Rauchwolken nur von Außen wahrnehmen konnten. Irgendwatt is ja immer. 





Samstag, 8. Juni 2024

Motor Altenburg - Niederpöllnitz

08.06.24 15:00 SV Motor Altenburg - SV Blau-Weiß Niederpöllnitz 3:3 (0:2), Skatbank-Arena, Kreisoberliga Ostthüringen, 314 Zuschauer

Auf einem Bein kann man nicht stehen und deshalb stand wie bei vermutlich nahezu 100% der Besucher des Spiels in Riesa auch für uns eine zweite Partie auf dem Plan und zwar in der Skatstadt Altenburg. Im Gegensatz zum Testspiel von eben, ging es hier noch um richtig was. Naja, zumindest um Punkte, denn beide Mannschaften haben weder mit dem Auf- noch dem Abstieg etwas zu tun. Früher spielte Motor in der DDR Liga und Oberliga. Ich kenne den Verein mit dem größten Stadion des Bundeslandes aus der Thüringenliga. Nach dem Abstieg und Problemen zog der Verein 2018 die erste Mannschaft zurück und die Zweite in der Kreisklasse wurde zum Aushängeschild des Vereins befördert und spielt nun immerhin wieder zwei Klassen höher. Für meinen Geschmack aber noch zwei zu niedrig. Die Zugangsberechtigung für das sehenswerte, weite Rund bekam man für faire 5€. Der Zuschauerrekord von 25.000 Besuchern im 1957 eingeweihten Leninstadion wurde heute nicht gefährdet. Die offiziell 314 Zuschauer sind allerdings für die Steuer. Beim groben Durchzählen kam ich nämlich auf 420. Wobei ich nicht ausschließen würde, dass unter den vielen Hoppern gut 100 Schiedsrichter und Pressevertreter waren. Man kennt ja die Mistvögel. Mit so vielen Zuschauern hat hier wohl niemand gerechnet und da wir nicht nur frühe Vögel, sondern auch schlaue Füchse sind, holten wir uns direkt unser Altenburger Bier und die Bratwurst. Die Schlange an der Kaufhalle wurde dann auch tatsächlich so lang, dass einige wohl erst in der zweiten Hälfte ihre Bananen bekamen. Das Spiel war so naja. Die Erleichterung beim 0:1 war groß, denn es sah bis dahin nach einem typischen 0:0 aus. Das 0:2 kurz vor und das 0:3 kurz nach der Pause, waren die Chancen Nummer zwei und drei. Der Anschlusstreffer ließ nicht lange auf sich warten und dann plätscherte das Spiel weiter vor sich hin. Bis die Altenburger gegen Ende nochmal den Motor anwarfen und sich den Treffer zum 2:3 erarbeiteten. Das beflügelte und sie schalteten nochmal einen Gang hoch und schafften den 3:3 Ausgleich. Der Siegtreffer wäre dann noch auf beiden Seiten möglich gewesen, wollte aber nicht mehr fallen. Eine top Schlussphase in einem sonst eher langweiligen Spiel. Heimwärts. Unser Fahrer hat seinen Job eigentlich stets zu unserer vollsten Zufriedenheit erledigt, bis auf einen groben Schnitzer. Am Dorffest in Zschernitzsch achtlos vorbei zu fahren, ist nämlich eigentlich unentschuldbar.





SV Stauchitz - PSV Braunschweig

08.06.24 11:00 SV Stauchitz - PSV Braunschweig 6:2 (1:1), Ernst-Grube-Stadion Riesa, Freundschaftsspiel, 999 Zuschauer

Auferstanden aus Ruinen, doch der Zukunft abgewandt. Das Stadion der Stahlwerker „Ernst Grube“ war früher die Heimat der BSG Stahl Riesa in der DDR Oberliga und bis 2003 die reguläre Spielstätte der Riesaer. Seitdem vegetiert es allerdings weitestgehend ohne Spielbetrieb vor sich hin, wurde von der Natur zurück erobert und steht kurz vor dem unvermeidlichen Abriss. Dank einiger engagierter Fußball- und Stadionfans wurde der Ground allerdings soweit hergerichtet, dass es auf dem Acker englischen Rasen zu einem höchstwahrscheinlich letzten Spiel kommen konnte. Der Sportverein Stauchitz südlich von Riesa spielt in der 1. Kreisklasse Meißen und übernahm vermutlich nicht nur die Organisation am Spieltag. Der Polizeisportverein kickt in der 2. Kreisklasse Braunschweig und war schon öfter Teilnehmer solcher Groundhopping Events. Ein Testspiel zweier Zehntligisten ist eigentlich absolut nicht meins, aber manchmal muss man das Hobby auch einfach wörtlich nehmen und das wunderbare Stadion genießen. Interessanterweise zählen die Stadien beim Hoppen ja nur mit einem Fußballspiel und dennoch sehen einige Hopper meist nicht allzu viel davon. Heute war das definitiv auch bei mir zutreffend, denn es waren einfach zu viele Bekannte vor Ort, mit denen man bei schönstem Sonnenschein und dem ein oder anderen Bier die Zeit verquatschte. Und doch kann ich stolz verkünden, dass ich die ersten drei Treffer gesehen habe. Danach wurde diese Quote aber ehrlicherweise schlechter und ich hab insgesamt drei Tore verpasst. Das Landskron aus der östlichsten Stadt Deutschlands ist daran aber unschuldig. Als Katholik wäre die nächste Beichte gesichert, aber so muss ich mit dieser Last leben. Alles Gude an den Torschützen des ersten Treffers, der dabei den Zweikampf mit dem Pfosten verloren hat. Bei den Bratwürsten im Osten frag ich mich meistens, wo die denn ihre unendlichen Kümmel Felder haben, aber Hauptsache Alessio geht's gut und es schmeckt. Danke an die Sektion Westerwald fürs Ticket und die kurzfristige Mitfahrgelegenheit und ein großes Lob an die Verantwortlichen des SV Stauchitz für den reibungslosen Ablauf am Einlass und beim Essen und Trinken.