Sonntag, 31. Juli 2022

SW Rehden und BW Lohne

Viele Jahre lang wurde um die erste Pokalrunde herum ne feine Tour gebastelt. Vor allem als die Amateurvereine noch anstandslos zu Hause spielen durften, waren das schöne Fußballfeste. Die Telefonate mit den ehrenamtlich bei den Vereinen arbeitenden Rentnern und die teils handgeschrieben Briefe mit den begehrten Tickets waren eine erfreuliche Abwechslung zum Alltag im standardisierten und verlogenen Profi-Fußball. Irgendwann wurden die Auflagen und Anforderungen aber zu hoch und der Charme ging verloren. Neue Runde, neues Glück. Unser Spiel in Magdeburg wurde leider auf Montag gelegt, aber am Sonntag sollte nach zwei Tagen Bierbörse ein Doppler in Regionalliga Stadien mit den dazugehörigen Heimmannschaften möglich sein. Serien müssen gestartet werden, um Serien zu werden. Also auf.

31.07.22 13:00 BSV Schwarz-Weiß Rehden - SV Sandhausen 0:4, Waldsportstätten Rehden, DFB Pokal, 1.500 Zuschauer

Die Hinfahrt verlief gut und schnell und keine 500m vom Stadion entfernt konnte man für Umme auf ner Wiese parken. Die hinterlegten Karten wurden abgeholt und schon waren wir drin. Die Organisation am Fressstand mit Fritten, Bratwurst und Frikadellen war genauso gut wie am Getränkestand mit leckerem Herforder Pils. Das Stadion fasst mit rund 4.500 Zuschauern in etwa die doppelte Einwohnerzahl des Dorfs, war gegen den legendären SV Sandhausen mit seinen Stars Dennis Diekmeier und David Kinsombi aber nur zu einem Drittel gefüllt. In diesem Jahr hat es sich der Verband zur Aufgabe gemacht, auf den Zug des Umweltschutzes aufzuspringen und die erste Pokalrunde zum "Klima Tag" auserkoren. Alle Partien fingen eine Minute später an und es wurden ein paar Zeilen vorgelesen. Man solle doch mit Regenwasser die Fußballschuhe putzen und mit dem Fahrrad zum Training fahren. Da kann die Mannschaft in Katar ja mit gutem Beispiel voran gehen und weil es so wichtig ist Ressourcen zu schonen, musste bei diesem Spiel zur Mittagszeit das Flutlicht brennen. Heuchelei vom aller feinsten, aber wer vom DFB noch irgendwas positives erwartet, dem ist nicht mehr zu helfen. Weniger heuchlerisch war die Schweigeminute für die verstorbene Legende Uwe Seeler. Die Stadionsprecherin war nach dieser flammenden Rede leider so über motiviert daran, die Zuschauer erfolglos für Stimmung zu animieren, dass es extrem genervt hat. Von den gut 40 Leuten im Gästeblock waren keine Wunder zu erwarten, aber die bescheidene Stimmung die dabei rum kam, kann man trotzdem als Dauersupport bezeichnen. Auch auf dem Feld gab es kein Highlight zu sehen, eher ein langweiliges Gekicke, das die Gäste gefühlt im vorbeigehen locker nach Hause brachten ohne sich anzustrengen.




31.07.22 15:30 TuS Blau-Weiß Lohne - FC Augsburg 0:4, Heinz-Dettmer-Stadion, DFB Pokal, 4.150 Zuschauer

Abpfiff, raus, 20km Fahrt, wieder für Umme auf ner Wiese direkt am Stadion geparkt und ebenfalls wieder schnell und pünktlich rein. Die Organisation war wieder gut, aber die Bratwurst war es nicht und das Bier hieß Veltins. Mit Softeis und Chinafraß hätte es aber auch exotische Alternativen gegeben. Lohne hat rund zehnmal so viele Einwohner wie Rehden und hier war auch deutlich mehr los. Die Kapazität von rund 7.000 Personen oder die Zuschauerzahl, eines von beidem ist ein Märchen. Es war nämlich trotz Zusatztribüne hinterm Tor sehr voll. Mit dem Sieg im Niedersachsenpokal, der ersten Pokalrunde gegen einen Erstligisten, der Meisterschaft in der Oberliga und dem Aufstieg in die Regionalliga gibt es hier auch einiges zu feiern. Mit dem Banner "Wir lassen die Puppen tanzen" und Konfetti hatten sich die Hausherren sogar was fürs Intro einfallen lassen. Für eine Szene wie Augsburg sind solch kleine Stadien wie gemacht, denn ein voller Block wirkt immer besser als ein halb leerer. Dauersupport wurde zwar nicht geboten, aber optisch machte der Block mit den Fahnen was her und in der zweiten Hälfte gab es ein paar nette Pyro-Shows, die dem Stadionsprecher in etwa so sehr gefielen wie den Grünen bezahlbare Spritpreise. Im ersten Durchgang konnte der Regionalligist sehr gut dagegenhalten und mit etwas Glück wären sie mit einer Führung in die Pause gegangen. Angriffe und geglückte Abwehraktionen wurden auf dem Platz und den Rängen mit Beifall gewürdigt. Sehr schön. Zur Pause setzte Dauerregen ein und Lohne zeigte sich als Schönwettermannschaft und ging leider baden. Wenn sich Idioten und viel Verkehr über den Weg laufen, ist es nervig. Wenn dann aber auch noch schlechtes Wetter dazu kommt, hat man eine beschissene Rückfahrt. Egal.




Samstag, 23. Juli 2022

Germania Fulda - SC Motten

23.07.22 15:00 Fuldaer SV Germania - SC Motten 2:4, Stadion am Gallasiniring, Kreispokal Fulda, 56 Zuschauer

Eigentlich (so fangen meine Berichte verdammt oft an) war ein Dreier im Bayernland geplant, aber da es gestern nach dem Konzerte der Onkelz im Waldstadion sehr spät wurde, starte ich mit eigentlich und blieb für den Saisonstart und das erste Spiel seit nem Monat im schönsten aller Bundesländer. In den 30ern spielte die Germania mit Größen wie Hanau 93, CSC Kassel und Borussia Fulda in der Gauliga und kommt insgesamt auf sechs Jahre in der höchsten Spielklasse. Heutzutage muss man sich mit der A-Klasse zufrieden geben. Es war das Jahr, in dem der Europapokalsieger von 2022 die deutsche Meisterschaft feierte, als die Germania in das Stadion einzog, in dem sie auch heute noch kickt. Mit einer Tribüne und ner ordentlichen Anzahl an Stufen geht der Ausbau auf jeden Fall klar. Ich lehne mich aber vermutlich nicht all zu weit aus dem Fenster, wenn ich sage, dass ich noch kein Spiel auf einem solch schlechten Platz gesehen habe. Man spricht dann ja gerne von nem Acker, aber da wächst wenigstens was. Alter Falter. Mit Will Bräu Weizen und Kristallweizen, Hochstift Pils und Pilgerstoff Edelhell kann man sich den Rasen aber durchaus schön saufen. Dazu ne Bratwurst und Sonnenschein. Basst scho. Fulda hatte zu Beginn die besseren Torchancen, aber egal ob Bundesliga oder Kreisklasse, wenn du die Dinger net machst… Da hilft auch das Reklamieren auf Abseits beim 0:1 nix. Das 0:2 fiel durch einen feinen Heber und beim 0:3 wurde dem Schnapper der Ball vermutlich aus der Hand getreten. Beim Strahl aus kurzer Distanz zum 1:3 spürte man, dass die Mannschaft wollte. Die Hoffnung auf die nächste Runde hielt nach dem Anschlusstreffer zum 2:3 aber nicht lange. Mit dem Tor zum 2:4 aus kurzer Distanz durch die Beine des Keepers war's vorbei. Schade für die Germania, aber unverdient war der Sieg für die bayrischen Gäste, die allerdings im Kreis Fulda/Rhön in Hessen mitkicken, nicht. Wenn man hier ist lohnt sich ein Gang durch die schöne Fuldaer Altstadt in jedem Fall, denn es gibt einiges altes Gemäuer zu bestaunen und für wen das nichts ist, der setzt sich einfach in den HBH Biergarten und genießt leckeres Rhöner Landbier, Fuldaer Kellerbier, Weizenbier, Pils und/oder Helles. Wer auf knackige Chicks steht, dem sei das Restaurant Hähnchen Paula in Gersfeld (mit eigenem Bier) ans Herz gelegt. Im Prinzip lohnt sich auch eine Übernachtung in der Gegend, denn im nahen Kloster Kreuzberg brauen die Mönche ebenfalls gutes Bier und hässlich ist die Rhön ganz sicher auch nicht. Egal ob Hessen oder Bayern.





Mittwoch, 22. Juni 2022

TV Grafenberg - SV Hilden Nord

22.06.22 20:00 TV Grafenberg - SV Hilden Nord 1:0, Sportplatz Sulzbachstraße, Kreisliga Relegation Düsseldorf, 260 Zuschauer

Ost, Ost, Ost-Düsseldorf gegen Nord, Nord, Nord-Hilden in der Relegation um den Aufstieg in Düsseldorfs Spitzenklasse. Relegation - ein Wort, das dank der beschissenen Aufstiegsregelung der Regionalligen völlig zurecht die Gemüter erhitzt. Aus den beiden Düsseldorfer B-Klassen steigen die Meister aber selbstverständlich auf und nur die Zweitplatzierten müssen um das letzte freie Ticket kämpfen. Für sowas ist die Relegation gedacht. Meister müssen aufsteigen! Mit Wuppertals bestem Schiedsrichter und dem knuffigen Igel wurde die -trotz einiger Patzer- torlose erste Hälfte aufmerksam verfolgt. In der Pause wechselten wir auf die VIP Plätze im Biergarten mit eher semi gutem Blick aufs künstliche Spielfeld, aber mit Katzenfreund Marcel und Grafenbergs Ehrenpräsidentin Sille wurde die Gesellschaft dafür umso besser. Als Fahrer hielt ich mich am Glas selbstverständlich ähnlich zurück wie die Gestalter des Platzes mit dem Ausbau, aber ich glaube die Anderen haben tatsächlich Alkohol konsumiert. Ekelhaft. Eher gut als ekelhaft war die Bratwurst. Das Zeug was derjenige genommen hat, der den Sportplatz hier "Ostpark-Arena" getauft hat, muss allerdings richtig ekelhaft gewesen sein. Kölsch oder so. Tschüss Saison 21/22.


Samstag, 11. Juni 2022

SpVgg Neu-Isenburg

11.06.22 19:00 SpVgg Neu-Isenburg - JSK Rodgau 2:1, Stadion im Sportpark, Verbandsliga Hessen Süd, 165 Zuschauer
 
Wie so oft am letzten Spieltag war es ein Spiel um die berühmte goldene Ananas. Die Gäste ausm Rodgau konnten zwar noch Zweiter werden, was ihnen aber auch nicht mehr gebracht hätte als der 13. Platz. Der eigentliche Grund der Reise in die hessische Heimat war auch das vorher stattfindende Gedenkturnier der Fanszene, welches wir mit unserem EFC leider mehr oder weniger knapp nicht gewinnen konnten. Da der feine Ground im verbotenen Landkreis nur einen Steinwurf vom Waldstadion entfernt aber sowieso schon ewig auf meiner Liste stand, kam mir das Abendspiel natürlich sehr gelegen. Wie es bei diesem Termin zu erwarten war, waren einige fotografierende Menschen hier und dort wo die Sonne nie scheint, hätte die Hopperkasse geklingelt. Die mittlerweile erträgliche Sonne, der grüne Rasen, das weite Rund, die lecke Rindswurst und das gute Schlappe-Seppel Bier sorgten für einen gelungenen Abend. Die frühe Führung der Gäste konnten die Hausherren kurz vor der Pause ausgleichen und kurz danach zur Führung und zum Endstand drehen. Nach dem Spiel verabschiedete der deutsche Amateurmeister von 1956 seine nun ehemaligen Spieler und die Meisterschaften des hessischen Fußballs sind für diese Saison so gut wie beendet. Tschö.




Montag, 6. Juni 2022

Büderich - Benrath (Pokalfinale)

06.06.22 16:30 FC Büderich - VfL Benrath 3:1, Sportplatz Tiefenbroich, Finale Kreispokal Düsseldorf, 280 Zuschauer

Das diesjährige Pokalfinale der Landeshauptstadt wurde auf der Anlage des A-Ligisten ASV Tiefenbroich auf saftigem, grünen Rasen gespielt und nicht auf giftgrünem Plastik. Na es geht doch, auch in NRW, dem Land der beschissenen Kunstrasenplätze. Der Platz liegt nicht nur direkt an der Autobahn, sondern auch an der Einflugschneise des DUS. Ein Traum für Flugzeug Spotter. Büderich ist in seiner Bezirksliga Staffel ohne Niederlage souverän in die Landesliga aufgestiegen, was in Lackschuhen schon eine reife Leistung ist. Die Benrather mussten in ihrer Staffel eher nach unten schauen, konnten den Klassenerhalt aber vorzeitig klar machen. Die Favoritenrolle war klar, aber da das Endspiel im Kreis Düsseldorf nun schon in Ratingen stattfand, musste der Sieger ja nicht unbedingt aus Meerbusch kommen und so drückte ich selbstverständlich dem deutschen Amateurmeister von 1957 die Daumen. Mit der Führung des VfL lag die Überraschung auch zeitweise in der Luft, aber kurz vor der Pause wurde der Spielstand gedreht und im zweiten Durchgang weitestgehend verwaltet, bis in der Schlussphase der Deckel drauf gepackt wurde. Schade, aber am Ende ein verdienter Sieg und so geht der Pokal in die Stadt der Millionäre. Die Qualifikation für den Verbandspokal kann der VfL aber als Trostpreis mit in den Düsseldorfer Süden nehmen. Neben dem besten und einzigen Bier am Mittelrhein, gab es auch das beste Alt der Welt. Für mich hieß die Bestellung "bitte ein Füchschen". Neben Bratwurst gab es auch leckere Flammkuchen in verschiedenen Varianten. Für die Verpflegung gibt es auf jeden Fall den Daumen nach oben für den ASV. 




Samstag, 21. Mai 2022

CDR Quarteirense / Portugal

21.05.22 17:00 CDR Quarteirense - SR Almancilense 2:0, Estadio de Quarteira, AF Algarve 1ª Divisão, 76 Zuschauer

Bis kurz vor Abflug nach Sevilla bzw. Faro war die Rückreise unklar, was natürlich auch davon abhängig war, was fußballtechnisch noch gehen sollte. Viel war das nicht und ein später Rückflug am Sonntag schied aufgrund der Arbeit eigentlich aus. Ein Kick am Samstag ging aber klar, also war der günstige Flug Sonntag früh ein abgemachtes Ding. Brasilien war früher eine portugiesische Kolonie und dort kann jeder beinamputierte Straßenhund besser mit dem Ball umgehen als ein deutscher Nationalspieler. Allein an den Genen kann das aber nicht liegen, denn die portugiesische fünfte Liga ist nicht besser als die deutsche. Eigentlich war ein anderer Kick in dieser Liga geplant, aber da Booking.com mich mit einem günstigen und geilen Apartment in diesen Ort gelockt hat, sollte es wohl so sein. Tribüne vorhanden, alles gut. Der Eintritt war frei und es gab die 0,2er Tasse gezapftes Sagres für einen Euro. Nicht weinen, rechnen. Zehn Stück davon sind nämlich auch vier Bier für nen 10er. Dazu gab es mega geiles Fleisch aus der Pfanne im Brötchen. Danke Quarteirense und Booking. Anfangs hab ich mich über die bescheuerte Regelung geärgert, kein Bier auf der Tribüne trinken zu dürfen, aber das macht schon Sinn. Bei so kleinen Tassen ist das nämlich eine echt beschissene Rennerei. Da fühlte ich mich im Käfig vorm Kiosk bei der Elite schon sehr wohl. Abgesehen von diesem Kick standen die zwei Tage an der Algarve einfach unter dem Motto "Urlaub". Als Europacup Sieger muss man sich schließlich auch mal was gönnen. Die dazu gehörige Sonne versteckte sich zwar zum Teil gut am bewölkten Himmel, aber der schöne Strand und das Meer wurden trotzdem genossen und für nen kleinen Sonnenbrand hat auch der bewölkte Himmel gereicht. Hier lässt es sich gut aushalten. Die Wellen am Atlantik sind aber schon ne andere Hausnummer als beispielsweise am Mittelmeer, da sollten Knight Rider und Pamela Anderson nicht zu weit entfernt sein. 






Mittwoch, 18. Mai 2022

Eintracht - Rangers / Sevilla

18.05.22 21:00 Eintracht Frankfurt - Rangers FC 6:5 n.E. (1:1), Estadio Ramon Sanchez Pizjuan, Europa League Finale, 38.842 Zuschauer

Europapokalsieger 2022 - Eintracht Frankfurt. Einfach mal sacken lassen. Drei Tage sind nach der historischen Nacht vergangen und auch wenn mir mittlerweile bewusst ist, dass wir diesen verdammten Pokal tatsächlich gewonnen haben, sitze ich mit nem Cerveja an der Algarve und kann irgendwie immer noch nicht so richtig einordnen, was das wirklich bedeutet. Wie groß das tatsächlich ist. Als wäre man bei der Mondlandung live dabei gewesen.


Die guten Jahre der Eintracht mit Okocha, Yeboah und Co. habe ich als Kind nur noch am Rande mitbekommen. Meine gemeinsamen Anfangsjahre mit dem Verein und die erste Zeit im Stadion waren durch den erstmaligen Abstieg und die folgenden Auf- und Abstiege geprägt. Das Pokalfinale 2006 war ein wunderbares Highlight und die knappe Niederlage tat extrem weh, da ich damals relativ sicher war, einem Titel nie wieder so nah zu kommen. Das erste internationale Spiel mit der Eintracht bei Brøndby und die Gruppenphase waren ein gern gesehener Bonus, etwas scheinbar einmaliges. 2013 dann das Erlebnis aus einer anderen Welt, mit der SGE bei der Europacup Quali im fernen Aserbaidschan. Gefolgt von der souveränen Gruppenphase mit Fahrten nach Nikosia und Bordeaux und dem bitteren Aus ohne Niederlage gegen Porto. 2017 standen wir wieder im deutschen Pokalfinale und verpassten den Titel, den wir dann 2018 nur ein Jahr später mit einer unglaublichen Mannschaft nach Frankfurt holen konnten. Alles erreicht, mehr geht nicht. Da war man sich einig. Mit dieser geilen Truppe wurde aber nicht nur die Gruppenphase des Europacup ohne Punktverlust gemeistert, sondern auch die Ukraine unsicher gemacht, Inter Mailand aus dem San Siro geschossen und Benfica bezwungen. Im Halbfinale dann das bittere Aus im Elfmeterschießen bei der Champions League Mannschaft von Chelsea. Und wieder die innere Sicherheit, dass man diesem eigentlich unerreichbaren Titel nie wieder so nahe kommen wird. Dann kam die scheiß Corona Zeit und Fußball im Stadion war unzumutbar bis unmöglich. Das Spiel gegen den großen FC Barcelona durften zum Glück wieder alle besuchen und das Erlebnis im Camp Nou (mit dem ich ehrlicherweise niemals gerechnet hätte) machte klar, dass diese Mannschaft zu allem fähig ist und nach den Siegen gegen West Ham standen wir tatsächlich im fucking Finale des Europacup.
 

Die Freude bei diesem Highlight dabei sein zu dürfen war riesig. Wie ein kleines Kind hab ich mich über die Zuteilung der Karte gefreut. Danke! Durch die Arbeit und allgemeines Mimimi war die Motivation auf die Reise kurz vorher aber irgendwie verflogen und auf Planung hatte ich keinen Bock. Am Abend vor der Abreise hatte ich außer dem Hinflug nach Faro noch nix gebucht. Natürlich kam ich auch später nach Hause und nachdem Mietwagen, Apartment und Rückflug gebucht und der Rucksack gepackt waren, ging es auch schon ohne Schlaf los. Beim Grenzübertritt von Portugal nach Spanien standen mir plötzlich die Tränen in den Augen. Vor Freude und Rührung das erleben zu dürfen. So stolz und nun auch wieder mächtig heiß und motiviert. Unglaublich viele Autos mit Rangers Fans wurden auf dem Weg überholt oder überholten mich. Gefühlt gab es unterwegs nur Schotten. Gut so, denn auch wenn es um die Eintracht und den Titel geht, wäre ein Spiel gegen das sinnlose Produkt der Leipziger RB Filiale ein herber Dämpfer gewesen. In Sevilla wurde direkt das Apartment angesteuert, sich schnell frisch gemacht und nach ein paar Minuten Ruhe ging es mit dem Bus zum Treffpunkt in der Stadt.
 

Dort angekommen ging es mit den Jungs und Mädels des EFC auch gleich wieder los in Richtung Stadion. Sehr früh waren wir mit die ersten im Ground. Da soll nochmal einer sagen wir kommen immer zu spät. Respekt an den zuständigen Caterer, denn dass bei an die 40 Grad zwei Stunden vor Anpfiff das Wasser ausverkauft war, ist schon ne reife Leistung. Beim warm machen der Mannschaften zeigte sich, dass wir mit den Rangers einen echten Gegner auf den Rängen haben sollten, bzw. hätten haben können, wenn sie denn nur öfter mal gewollt hätten. Bei uns in der Kurve machten sich Polizei und Verband mal wieder unbeliebt, indem sie einen Teil der Choreo entfernten, der die UEFA Banner überdeckte. Dass einem sowas nicht vorher einfällt, kann man vermutlich nur mit gewollter Eskalation erklären. Die Reaktion der Kurve war allerdings friedlich und gut, denn nun wurden einfach alle UEFA Banner entfernt. Problem gelöst. Die Choreo war wieder sehenswert, aber auf dem Feld ging es bescheiden los. Rode musste nämlich früh mit ner fetten Platzwunde am Kopf behandelt werden, spielte aber mit Turban weiter und scheute damit keinen Zweikampf und keine Kopfbälle - geiler Hund, der Seppl. Verwarnung dafür? Fehlanzeige. Zwar hätten wir aufgrund von deutlich mehr Torchancen führen müssen, die zum Teil aber einfach nicht zwingend genug waren und so ging es torlos in die Pause. Im zweiten Durchgang bereiteten Sow und Tuta das 1:0 für die Rangers vor und wir waren geschockt. Scheiße, aber es musste weiter gehen. Wir hatten noch Zeit und die Jungs sind zu gut und zu heiß um aufzugeben. Obwohl Lindström 0,0 Torgefahr ausstrahlt und Kamada scheiterte, waren wir am Drücker. Außerdem sorgte Hasebe nun für spürbare Sicherheit in der Abwehr. Ne exakte Hereingabe von Maschine Filip Kostic fand Rafa Borre und Tor, Tor, Tooor! Da simmer widder. Auch weil Hauge ähnlich effektiv wie sein dänischer Kollege ist und Kostic kurz vor Schluss scheiterte, passierte nix mehr und es ging in die Verlängerung. Wie im gesamten Spiel waren wir spielerisch die bessere Mannschaft, die Schotten aber physisch etwas überlegen und mit Kampf und Leidenschaft überboten sich beide gegenseitig. Wir ließen wieder einige gute Chancen liegen, bevor uns die Rangers kurz vor Ende der Verlängerung mit einer guten Möglichkeit und einem gefährlichen Freistoß fast den Todesstoß versetzten. Puuh. Zum Glück kann unser Schnapper mehr als scheinbar gut auszusehen. Kevin Trapp! Wahnsinn aber auch wie viel Power Ansgar Knauff noch hatte um den Flügel entlang zu sprinten. Die Nerven waren ähnlich strapaziert wie der restliche Körper und das erlebte bei Chelsea schwirrte unweigerlich irgendwo im Kopf rum. Allerdings war da auch die Hoffnung auf den Fußballgott. Zum einen weil Jürgen Grabowski nun an seiner Seite sitzt und zum anderen weil wir ohne Niederlage durch den Wettbewerb marschiert sind, da kann man doch nicht im Elfmeterschießen scheitern. Rangers, Lenz, Rangers, Hrustic, Rangers, Kamada, Trapp! Trapp! Trapp! Kostic, Rangers, Borre! Borre! Borre! Jaaaaa! Aus! Sieg! Da is dat Ding! Europacup! Freude, Stolz, Fassungslosigkeit, Tränen, Jubel und Erschöpfung wechselten nun ständig die Pole-Position. Europas beste Mannschaft! Ein Lob nicht nur an unsere Mannschaft, von der sich ein Großteil nun den Beisatz "Legende" in den Ausweis schreiben lassen kann, sondern auch an die Rangers. Die haben nämlich mehr verdient als eine Kurve, die sich nicht mal die Ehrung ihres zweitplatzierten Teams ansieht, Enttäuschung hin oder her. Wir haben den Europapokal! Albern, dass man unseren Spielern das Feiern auf dem Tor verbot und es sogar absperrte, aber da zeigt sich eben, dass der Verband Scheiße und eine solche Freude von anderen, satten Mannschaften nicht gewohnt ist. Jungs, ihr habt euch unsterblich gemacht! Danke!





Irgendwann war es an der Zeit das Stadion zu verlassen um den erschöpften Körper mit Flüssigkeit zu versorgen und im Prado de San Sebastian wurde dieser grandiose Triumpf mit den vor Ort gebliebenen Leuten vom Fanclub in aller Ruhe bei ein paar Cervezas gefeiert. Per sempre Frankfurt!


Um 06:30 war ich nach 48 Stunden ohne Schlaf im Apartment und beschloss beim eigentlichen Check-out völlig übermüdet einfach noch ne Nacht dran zu hängen. Als Europacup Sieger muss man sich schließlich auch mal was gönnen. Nachmittags ging es zum Einkaufen und die unerträgliche Hitze ließ die Besichtigung der Stadt nach hinten rücken. Duschen, essen, trinken und faulenzen standen stattdessen auf dem Plan. Als es abends etwas angenehmer war, ging es in die Stadt und das hat sich auf jeden Fall gelohnt. Eine sehr schöne Stadt, in der wir da den Europacup gewonnen haben. 



Samstag, 7. Mai 2022

SV Wiesbaden - Waldhof Mannheim

07.05.22 14:00 SV Wehen Wiesbaden - SV Waldhof Mannheim 1:1, Brita Arena, 3. Liga, 4.026 Zuschauer

Frankfurt & Mannheim. Kampfsport & Branntwein. Jan und Tobi fragten an, ob ich Interesse am Waldhof in Wiesbaden hätte. Mit euch? Na klar!
Der SV Wehen, ein nicht unsympathischer Dorfverein aus dem Rheingau-Taunus-Kreis, den die Firma Brita weniger sympathisch ins nahe Wiesbaden transferierte um das große Fußballgeschäft zu erobern. Dummerweise sind die Wehener in Taunusstein geblieben, die Fußballfans gehen nach Frankfurt, die Studenten nach Mainz und für fußballinteressierte Wiesbadener gibt es immer noch den richtigen SV Wiesbaden von 1899 oder den FV Biebrich, bei dem Jürgen Grabowski kickte, bevor er zur Eintracht Legende wurde. So spielt Brita zwar in der 3. Liga, aber es interessiert halt keinen. Dass es keinen interessiert kann man vom SV Waldhof Mannheim 07 sicher nicht behaupten und auch heute war der Gästeblock wieder gut gefüllt. Die Stimmung war gut, abwechslungsreich und natürlich kamen auch die beliebten Klassiker nicht zu kurz. Auf dem Feld brachte Schnatterer den Waldhof mit einem sehenswerten Freistoßtor in den Winkel in Führung und Wiesbaden glich noch vor der Pause aus. Zählbares gab es im zweiten Durchgang nicht mehr und die Gäste können nach diesem Spiel ganz gut damit leben, das war nämlich kein überragendes Spiel der Barackler, aber es ging auch um nix mehr. 



Donnerstag, 5. Mai 2022

Eintracht - West Ham

05.05.22 21:00 Eintracht Frankfurt - West Ham United 1:0, Waldstadion, Europa League, 48.000 Zuschauer

Alter. Sieg! Finale! Ungeschlagen durch die Europacup Saison marschiert! Unglaublich, aber wahr. Stolz, unfassbar stolz bin ich auf diese Mannschaft, auf diesen Verein und darauf ein Teil davon zu sein. Ein Teil von Eintracht Frankfurt, dem geilsten Verein überhaupt. Zu Spielbeginn organisierte UF wieder eine sehenswerte Choreo, die Stimmung im ersten Durchgang war brutal und es brannte eigentlich immer irgendwo im Block ne Fackel. Ich denke mal der Minusmensch der Staatsmacht wird aufgrund seiner ewig nervenden Durchsagen wieder mächtig wegen Überstunden rumheulen. Die hellen Trikots der Londoner waren auch nicht ganz ideal gewählt, denn so konnten man beim ein oder anderen Spieler braune Streifen in den Shorts erkennen. Der Schock über Hintis frühe Verletzung lag noch in der Luft, da griffen die Tommies zur Notbremse und der fällige Platzverweis wurde gefeiert wie die Führung. Mit einem Bein standen wir schon im Finale und jetzt bewegte sich auch der andere Fuß in diese Richtung. Nach dem Zusammenspiel von Knauff und Borre in anderer Reihenfolge wie im Hinspiel zappelte der Ball wenig später im Netz und die ohnehin schon brachiale Stimmung explodierte. Das fucking Finale zum greifen nah. Is das geil. Noch war de Käs awwer net gesse und die Anspannung da. Richtig eng war es, als Ndicka auf der Linie klären musste. Puuhh. Pause. Bier trinken. Durchatmen. In der zweiten Hälfte plätscherte das Spiel vor sich hin. Wir mussten nicht und West Ham machte zum Teil den Eindruck als wollten sie nicht. Auf den Rängen war zwar immer noch Alarm, aber gedämpfter. Es kam einem alles ein bisschen unwirklich vor, als würde man vielleicht aus diesem wunderschönen Traum erwachen. In der Schlussphase mobilisierten die Engländer die letzten Kräfte und drückten nochmal etwas, aber auch Paciencia hatte direkt von der Bank kommend eine dicke Chance, die er natürlich versemmelte. Keine überragende Leistung in Überzahl, aber ein gutes Pferd springt bekanntlich nicht höher als es muss und es passierte nix mehr. Sieg! Finale! Jubel. Freude. Erleichterung. Danke. Mega. Das Finale in Sevilla spielen wir gegen die Rangers und nicht gegen das scheiß Produkt. Geiles Ding. Danke. 
Noch ein Sieg Jungs, dann seid ihr unsterblich! Holt uns den Titel, spielt euch in den Eintracht Olymp und werdet Legenden! Per sempre Frankfurt!