09.01.26 20:30 Eintracht Frankfurt - Borussia Dortmund 3:3 (1:1), Waldstadion, 1. Bundesliga, 59.500 Zuschauer
Neues Jahr, neues Glück beim berühmten Spiel namens "dann schlagen wir halt den scheiß BVB". Glück? Glück muss man sich verdienen und ein großer Verdienst ist der Verkauf von Wahi. Dieser Abgang ist an und für sich schon mal eine sehr gute Verstärkung des Kaders. Für den Job, den Wahi eigentlich hätte ausführen sollen, haben die Herren der Vereinsführung aber zudem noch Verstärkungen geholt. Ich war tatsächlich gespannt ob die Jungs gleich spielen und liefern würden. Dortmund kam fünf Plätze besser als Tabellen Zweiter zum Jahresauftakt nach Frankfurt. Ne Momentaufnahme, denn keiner wird anzweifeln, dass wir die Größten sind. Den Termin am Freitag Abend finde ich bei Heimspielen gut, aber neben dem Nachmittagsspiel unter der Woche in Stuttgart müssen wir demnächst auch in Bremen und Berlin freitags ran. Das ist für'n Arsch und bedeutet drei Tage Urlaub für drei Bundesligaspiele oder Verzicht. Viele wird diese Terminierung buchstäblich krank machen. Was bei den Temperaturen, dem Schnee oder Regen und der Glätte auch gar nicht mal so weit hergeholt ist. Was ich bei so einem Flutlichtspiel vermisse, sind die Flutlichtmasten des alten Waldstadions. Wie bei meinem vierten Spiel im Jahr 1995, einem 3:4 gegen den BVB. Köpke, Binz, Komljenovic, Bindewald, Roth, Bommer, Schupp, Falkenmayer, Okocha, Raufmann und Ekström spielten damals für die Eintracht. Klos, Sammer, Kohler, Cesar, Reuter, Zorc, Judas, Ricken und Herrlich für Dortmund. Ich sehe diese Spieler heute noch genau vor mir. Nur Berger und Kree von Dortmund hatte ich nicht mehr so auf dem Schirm. Früher war vielleicht nicht alles besser, aber ganz bestimmt auch nicht schlechter. Ich glaube nicht, dass ich von der heutigen Eintracht Mannschaft außer Götze, Knauff, Theate und Kristensen irgendwen erkennen würde, wenn sie neben mir stünden. Bei Dortmund kenne ich zwar 9 von 11 Namen, habe dazu aber nicht ein Gesicht vor Augen. Früher waren die Spieler meist Helden, Idole und Persönlichkeiten. Heute sind es größtenteils austauschbare Söldner und Millionäre. Damals habe ich den Fußball geliebt. Heute liebe und hasse ich ihn fast gleichermaßen. War ich da einfach nur jung und naiv oder war der Fußball damals tatsächlich ehrlicher, authentischer und weniger korrupt und durch Geld verdorben und in den Hintergrund gedrängt? Alter Mann. Zurück ins Jahr 2026. Mit Ebnoutalib spielte ein Neuzugang von Beginn an und traf, Kalimuendo wurde eingewechselt und bereitete vor. Echghouyab und Kosugi blieben auf der Bank. Ein gut und einfach gespielter Ball brachte dem BVB mit dem ersten Torschuss gleich das erste Tor. Typisch für diese Saison. Weniger typisch, dass es erst in der zehnten Minute passierte. Wir waren aber da und Uzun besorgte per Foulelfmeter den Ausgleich. Bis auf einen im Strafraum herumirrenden Santos, einen Dortmunder Schauspieler und in dieser Saison bislang vermissten Zweikämpfen, passierte nicht mehr viel bis zur Pause. In der zweiten Hälfte waren wir richtig stark. Dortmund schaffte aber mit einem abgefälschten Schuss und dem Pfosten die erneute Führung. Ebnoutalib, der schon einige starke Situationen hatte, konnte mit einer guten Aktion aber schnell ausgleichen. Ich hatte es im Blut, dass noch was geht und sollte recht haben. Ein Schuss von Dahoud klatschte vom Pfosten ins Tor. Ja, ja, Jaaaaa! Das 3:2 in der Nachspielzeit. Geil! Die Lutscher in den hässlichen Trikots sind aber keine Schülermannschaft und drückten wild in Richtung Santos. Ein verkackter Ball ging dann auch rein. So eine verfickte Scheiße. Ein richtig gutes Fußballspiel, sechs Tore, ein Punkt gegen einen starken Zweiten, Moral bewiesen und trotzdem fühlt es sich wie eine Niederlage an. Wenn du in der 92. Minute in Ekstase den Führungstreffer bejubelst, dann willst du halt den scheiß BVB schlagen. Kopf hoch und weiter so! Nach einem Absacker im Eck war ich zwar erst nachts zu Hause, hatte aber noch das ganze Wochenende vor mir. Heimspiele könnten von mir aus immer freitags sein.