Sieben Tage ist mein letztes Fußballspiel her. Mittlerweile hat sich allerdings die 5 am Ende des Datums in eine 6 verwandelt. Der erste Kick im Jahr 2026 (nach dem von einer Jungfrau geborenen und nach dem Tode auferstandenen Wunderheiler) führte mich nach Troyes. Troyes mit seinen gut 60.000 Einwohnern liegt im Nordosten Frankreichs in der Region Grand Est, ehemals Champagne-Ardenne. Dort tritt nämlich Esperance Sportive Troyes Aube Champagne im Stade de l'Aube in der zweiten Liga gegen den Ball. Der Verein wurde 1900 gegründet und heißt seit 2000 so wie er nun mal heißt. Der Club gehört zur City Football Group, einer Holding-Gesellschaft, die mehrere Fußballklubs verwaltet. Hauptsächlich gehört dieses Konstrukt der Abu Dhabi United Group mit Scheich Mansour bin Zayed Al Nahyan und der bekannteste Verein dieser Bande ist Manchester City. Kurz gesagt: Dreck. 2001 erreichte Troyes die beste Platzierung seiner Geschichte und zog über den Intertoto Cup in den UEFA Cup ein. Troyes belegt Platz 42 der ewigen Tabelle der Ligue 1 und Platz 44 in Ligue 2. Zum Vergleich, in Deutschland stehen dort der Wuppertaler SV und Hessen Kassel. Zu Gast war heute der fünfmalige Pokalsieger Red Star Football Club aus Paris. An den letzten Titel 1942 hab ich aber kaum noch Erinnerungen. 1897 gegründet, änderte der Verein rund 387 mal seinen Namen, behielt aber immer das Red Star bei. In der ewigen Tabelle der 1. Liga reicht es auch nur zu Rang 38. In der zweiten Liga springt allerdings Platz 7 raus. Ganz großes Tennis also. Und was mache ich hier? Es war zum Einen die letzte offizielle Tour der Barra del Bierstand, einer krassen Gang, mit der ich zu längst vergangenen NRW Zeiten einige Spielbesuche und Touren hinter mich gebracht habe und zum Anderen das Jubiläum des 1000. Grounds des Mitbegründers dieser Bande. Der Weg ist das Ziel und den Weg mit geilen Menschen zu bestreiten war das heutige Ziel für mich. Der Ground ist kein schlechter, war für mich aber tatsächlich nebensächlich. Kontakte pflegen sagt man dazu. Da kann man auch mal die 250 km Umweg über Düsseldorf pro Strecke in kauf nehmen. Teils mit Glätte durch die Nacht. Ahu. Wenn alles funktionieren würde, wäre es kein Groundhopping, sagt man ja gerne. Heute springt dabei der Ratschlag "mietet nicht bei Alamo" raus. Der gebuchte Großraum-Flitzer war nämlich nicht verfügbar. Merde. Umdisponieren war angesagt und ein armer Schlucker musste deshalb kurzfristig und ungeplant als zweiter Fahrer mit seiner Karre ran. Danke dafür. Unterwegs auf belgischen Landstraßen bei teils ordentlichem Schneechaos, wurden kurz der Sinn und die Erfolgsaussichten in Frage gestellt. Ende gut, alles gut und wir waren pünktlich im Stadion der Laube. Dort gab es Budweiser, also die Ami Pisse. Franzosen haben einfach keine Kultur. Im Heimbereich wurden ein paar Fahnen geschwenkt, aber Stimmung kam dabei nicht auf. Im Gästeblock gab es da neben den drei Fahnen schon eher etwas für die Ohren. Passt. Zum schwärmen brachte mich das aber nicht und mancher einer hätte da vielleicht mehr erwartet. Troyes war im Topspiel des Ersten gegen den Zweiten die drückende Mannschaft, aber die Chancen wurden reihenweise Wahi mäßig versemmelt. Einer der Mitfahrer festigte so seine 0:0 Prognose. Naja, fast. Glückwunsch zum 1000. Ground, aber auf einem Bein kann man nicht stehen, also nicht zurück, sondern weiter.
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